Frühe Arteriosklerose und Schlaganfall bei Diabetikern: Lässt sich das Risiko bald durch Medikamente minimieren?

Presseinformation vom 22. Mai 2017:

Der Mensch ist so alt wie seine Gefäße: Typ 2 Diabetiker sind doppelt so häufig wie gleichaltrige Nicht-Diabetiker von Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen an den Beinen betroffen. Der Grund: Bei langanhaltender Blutzuckererhöhung (HbA1c > 7%) altern die Gefäße schneller; es kommt zur Verdickung und Steifigkeit der großen und kleinen Blutgefäße mit den Folgen mangelhafter Sauerstoffversorgung von Herz, Hirn und anderen Endorganen. Das kann zur Herzmuskelschwäche und Herzrhythmusstörungen führen. Auf der Basis von geschwürigen Aufbrüchen (Plaques) der Gefäßwand und von Herzrhythmusstörungen kann es zur Bildung von Blutgerinnseln und/oder thrombotischen Gefäßverschlüssen im Hirn und Herzen kommen. Als großer Fortschritt zur Reduzierung von Thrombosen  und Embolien bei Vorhofflimmern gilt der Wirkstoff Rivaroxaban. Das Medikament wird im Klinikalltag bereits eingesetzt, um bei großen Operationen das Risiko für Blutgefäßverstopfungen (Thrombosen) zu vermindern. Inwieweit mit diesem Medikament auch bei Diabetikern das vorzeitige Altern der Gefäße (Wandsteifigkeit, Kapillarfluss, Entzündung) verringert oder rückgebildet werden kann, wird in einer aktuellen Studie untersucht. 

In Deutschland leiden etwa 6 Millionen Patienten an Typ 2 Diabetes; Tendenz steigend. Etwa 80 Prozent davon haben ein erhöhtes Herzkreislaufrisiko. „Man spricht deshalb auch vom Kardiodiabetes“, sagt Professor Markolf Hanefeld vom Studienzentrum Metabolisch-Vaskuläre Medizin in Dresden.

Mit gerinnungshemmenden Medikamenten können Patienten vor einer Thromboembolie, einer Verstopfung der Blutgefäße, und somit vor einem erhöhten Schlaganfallrisiko geschützt werden. Allerdings weisen einige Medikamente der bisherigen Standardtherapie Wechselwirkungen mit Nahrungs- und Arzneimitteln auf. Daher ist eine sehr engmaschige Laborkontrolle notwendig. Die Behandlung mit Blutplättchenhemmern, wie zum Beispiel Aspirin®, bei Diabetikern mit Herzkranzgefäßerkrankungen und Schlaganfall hat sich bewährt und ist heute eine Evidenz gesicherte Prävention. Offen ist, was in der Vorbeugung dieser harten Endpunkte (Primärprävention) und des vorzeitigen Gefäßalterns erreicht werden kann.

Eine in klinischen Studien bereits erfolgreich in der Sekundärprophylaxe getestete Behandlungsform stellt zum Beispiel das Medikament Xarelto® mit dem Wirkstoff Rivaroxaban dar. Dieser einfach zu dosierende Gerinnungshemmer, ein sogenannter Faktor-Xa-Inhibitor, ist für Erwachsene bereits seit 2008 zur Thromboseprophylaxe bei großen operativen Eingriffen zugelassen. Die Einnahme des Medikaments muss nicht durch häufige Laborkontrollen überwacht werden. Patienten bekommen das Medikament, wie den Plättchenhemmer Aspirin®, in der Regel nur einmal täglich in Tablettenform, sodass seine einfache Anwendung als weiterer Vorteil von Ärzten gesehen wird.

In einer aktuellen klinischen Vergleichsstudie wird jetzt getestet, wie vorteilhaft sich Blutverdünner, zum Beispiel der bereits zugelassene Wirkstoff Rivaroxaban, auf die Steifigkeit und Funktion der Gefäße bei Diabetikern auswirken. „Das Risiko für Herzerkrankungen und somit auch für Schlaganfälle ist bei Diabetikern stark erhöht, da der hohe Zuckeranteil im Blut die Gerinnungsneigung steigert und entzündliche Reaktionen auslöst“, sagt Professor Markolf Hanefeld, der die Studie  im Studienzentrum Metabolisch-Vaskuläre Medizin leitet. „Eine frühzeitige Diagnose zum Zustand der Gefäße ist daher von großer Bedeutung, um das Risiko einer Gefäßverengung oder -verstopfung zu minimieren“, so Professor Markolf Hanefeld weiter. Dabei wird durch nicht-invasive Messungen mit Ultraschall die Pulswellengeschwindigkeit als Maß der Gefäßwandsteifigkeit und mit Laser der Blutfluss in den kleinen Gefäßen (Kapillaren) der Patienten untersucht und somit das frühestmögliche Stadium einer eventuellen Gefäßschädigung erkannt.

Zur Teilnahme an dieser Studie sucht das Studienzentrum Metabolisch-Vaskuläre Medizin Männer und Frauen, die mindestens 45 Jahre alt und an Diabetes mellitus Typ 2 erkrankt sind. Weitere Faktoren, die das Herz und die Gefäße beeinträchtigen, zum Beispiel Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung oder erhöhte Entzündungsaktivität (hsCRP > 2 mg/l), begünstigen die Teilnahme an der Studie. Bei Studieneignung erhalten Patienten kostenlose Labor- und Gefäßuntersuchungen, die Aussagen über das Gefäßrisiko zulassen.

Interessierte können sich unter www.diabetes-dresden.de informieren oder sich von Montag bis Freitag von 8.30 Uhr bis 15 Uhr telefonisch unter 0351-4400 591 beraten lassen.

Pressekontakt:

Antje Stork
Marketing und Kommunikation
Tel. 0351 /25933-102
Mail: antje.stork@gwtonline.de

Das in der GWT-TUD GmbH verankerte Studienzentrum Metabolisch-Vaskuläre Medizin entwickelte sich seit der Gründung im Jahr 2000 zu einer hochqualifizierten Forschungseinrichtung für klinische Studien mit dem Fokus auf Stoffwechselerkrankungen. Mit einem breitgefächerten Spektrum von Indikationen bietet das Studienzentrum vor allem für die Arzneimittelforschung einen umfassenden Service. Dieser reicht von der generellen medizinischen Beratung und Planung über Rekrutierungsleistungen, der Durchführung klinischer Studien der Phasen II bis IV und „Investigator Initiated Trials“ (IIT) bis hin zur Publikation und Präsentation der Studienergebnisse. Seit 2014 ist Professor Andreas Birkenfeld, als Nachfolger von Professor Markolf Hanefeld, Direktor des Studienzentrums und gleichzeitig Professor für Metabolisch Vaskuläre Medizin in der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden.

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